pizzo bianco | piz alv

"gabarrou" (direkter westsporn)

21.06.26

 

da die zweite juni-hälfte in diesem jahr mit unvorstellbar hohen temperaturen aufwartet, suchen wir uns ein hoch gelegenes schattiges ziel aus: den westpfeiler des pizzo bianco (oder piz alv). patrick gabarrou eröffnete hier 1993 eine wunderbare kletterlinie in bestem diorit (ähnelt optisch granit)..
der SAC-führer meint: "grossartige kletterei, die es verdient hätte, klassisch zu werden."


zustieg:

von der chamanna da tschierva verfolgt man zunächst wenige minuten den weg richtung fuorcla prievlusa, um aber sehr bald entlang von steinmännern (und zu beginn auch wegspuren) zu den resten des vadret da tschierva abszusteigen (ehemaliger weg zum piz roseg). aufgrund des gletscherschwundes wird es auch hier zum schluss unangenehm gschüdrig. auf ~2700m quert man die flache eisfläche, steigt wiederum entlang von wegspuren und steinmännern den geröllhang hoch und wendet sich dann nach südosten, um pt.2813 zu erreichen. eine kurze querung führt auf den gletscher. entlang des piz umur steigt man an geeigneter stelle zum obersten gletscherplateau auf. grosse spalten können die wegstrecke verlängern. oben angekommen, erkennt man sogleich das band, das von rechts nach links in gut 100 metern zum einsteig der route führt (1 inox-bohrhaken am einstieg) (ZS; wir benötigten aufgrund des unten nicht gefrorenen schnees und oben dann bruchharst mit sehr strenger spurarbeit 4h, es wäre aber bei gutem trittfirn in 2½ - 3h zu machen)


route:

nun geht es der logischen kletterlinie entlang aufwärts, wobei das topo nur die ungefähre richtung anzeigt. auch sind nicht alle seillängen aufgeführt.
da sich die erste länge unangenehm feucht und moosig präsentiert, entschieden wir uns vorteilhafterweise, diese mit bergschuhen zu klettern. am ersten stand wechselten wir dann auf die kletterfinken, da gleich die zweite länge mit der schlüsselstelle aufwartet: eine abdrängende rissverschneidung. beinahe alle längen sind genau 50m lang und weisen höchstens einen zwischenhaken auf, der mehr als wegweiser denn als sicherung gedacht ist. die stände selber aber sind mit zwei inox-haken bestens bestückt.
ab der dritten länge wird die kletterei einfacher und sehr genussvoll. weshalb die ersten sechs seillängen alle mehr oder weniger gleich schwierig bewertet wurden, ist uns nicht ganz klar. zudem besteht die "rote wand" vor dem wasserfall-quergang aus anderthalb seillängen. nach der siebten seillänge legt sich der grat dann zurück, womit auch wieder viele schneeflecken anzutreffen sind. dies bedeutet, wieder auf die bergschuhe zu wechseln. so erreicht man den rand der firnkuppe des bianco-grates. in wenigen metern in firn auf den gipfel des pizzo bianco und entlang der bekannten route weiter auf den piz bernina. (5h in dreier-seilschaft, eine eingespielte zweier-seilschaft könnte mindestens 1h schneller sein.)


bewertung: E5, SS+, VI

material: 50m-seil, schlingen, 4 express, cams C3 #1 und C4 #0,3 bis #3, steigeisen und pickel


abstieg:

zunächst entlang des spallagrates (vom felskopf einmal 25m abseilen) zur fuorcla crast'agüzza, dann ansteigend auf das obere gletscherplateau nördlich der bellavista. zur fortezza absteigen und auf dieser entlang von steinmännern zum vadret da la fortezza abklettern (I-II). über diesen zur isla persa absteigen, wo man auf wegspuren stösst, die zum morteratsch-gletcher führen. auf diesem ins tal und zunächst auf einem bergweg, dann auf einer endlosen strasse zur bahnstation morteratsch. (WS)


angetroffene verhältnisse am 21.juni 2026:
am sporn selber trotz einiger wassereis-stellen perfekte verhältnisse, am bianco-grat dann bester trittfirn (wir benötigten hier keine steigeisen). der zustieg hingegen aufgrund der unsäglich hohen temperaturen eine äusserst strenge wühlerei, ebenso der abstieg auf dem gletscher rüber zur fortezza und auf der fortezza selber. ständiges, teilweise hüfttiefes einsinken war vorprogrammiert.

keine weiteren seilschaften in dieser route



piz bianco, gabarrou-pfeiler, tschierva
piz bianco "gabarrou-pfeiler": bereits im aufstieg zur chamanna da tschierva zeigt sich der markante sporn des piz alv



piz bianco, gabarrou-pfeiler, tschierva
piz bianco "gabarrou-pfeiler": von der hütte aus ist der zustieg gut einzusehen



piz bianco, gabarrou-pfeiler, gletscherspalten, tschierva
piz bianco "gabarrou-pfeiler": umwege im oberen teil des vadret da tschierva aufgrund grosser gletscherspalten



piz bianco, gabarrou-pfeiler
piz bianco "gabarrou-pfeiler": wir wählten das untere einstiegsband, das nach ein paar metern aufs obere führt



piz bianco, gabarrou-pfeiler
piz bianco "gabarrou-pfeiler": in den anderthalb leichteren längen unterhalb des roten turms



piz bianco, gabarrou-pfeiler
piz bianco "gabarrou-pfeiler": die querung unterhalb des turms zum wassserfall-riss



piz bianco, gabarrou-pfeiler, piz bernina
piz bianco "gabarrou-pfeiler": auf dem piz bernina angekommen



piz bianco, gabarrou-pfeiler, piz bernina, fortezza
piz bianco "gabarrou-pfeiler": blick zurück von der fortezza zu piz bernina, piz alv, piz prievlus und piz morteratsch


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