finsteraarhorn
südlicher ostwand-sporn
08.08.26
jedesmal wenn man von norden die berner riesen bewundert, sticht einem der haifischzahn des finsteraarhorns ins auge. die ostseite dieses freistehenden berges scheint nahezu senkrecht abzufallen. nebst einigen (vermutlich kaum mehr begehbaren) couloir-routen ziehen zwei kletterrouten von dieser seite auf den berg: über den nördlichen und den südlichen ostsporn..
zustieg:
von der oberaarjochhütte (3255m) zum studergletscher absteigen. nun in einem grossen bogen zunächst westwärts richtung gemschlücke (start des SE-grates), dann (in gehrichtung) auf der linken seite zum oberen studerjoch (3389m) hochsteigen. über die sich etwas aufsteilende firnzunge an den einstieg beim tief eingeschnittenen couloir auf ~3560m. (WS, 2h)
route:
der untere teil der route verläuft nicht am eigentlichen ostsporn, sondern auf der wenig nördlich gelegenen parallelrippe (welche sich auf ~3950m in der wand verliert). dazu ersteigt man zunächst den turm östlich der lücke oberhalb des einstiegscouloirs, indem man nur eine knappe halbe seillänge links des couloirs hochklettert und anschliessend gleich auf die östlich liegenden felsen wechselt. über diese hinauf auf den grat vor dem turm. der turm selber wird in heikler kletterei links umgangen. vom turm (3719m) ~15m in die scharte abseilen. nun alles mehr oder weniger entlang dieses parallelgrates, wobei ein scharfer turm wiederum links in sehr brüchigen felsen absteigend umgangen wird. anschliessend in einem schönen verschneidungsriss zurück an den grat. sobald sich der parallelgrat in der wand verliert, führt eine offensichtliche rampe an den hauptgrat. diese rampe erscheint von weitem ziemlich einfach, wird aber zum schluss lästig und auch sehr brüchig und weist sogar im heissen sommer 2026 hie und da vereiste felsen auf.
nun befindet man sich zum ersten mal am eigentlichen ostsporn. gleich die erste länge wartet mit ziemlich angst einflössender kletterei auf. unklar ob man von der scharte links oder rechts hochsteigen soll, wir wählten den etwas zuverlässiger erscheinenden roten felsen auf der rechten seite. bald aber scheint kein stein mehr auf dem anderen zu halten. irgendwie schafften wir es trotzdem zurück an den nun ständig sehr steilen grat. die felsqualität bleibt weiterhin äusserst fragwürdig. ein weiterer turm wird auf einer wenig absteigenden rampe nach links umgangen. gleich anschliessend zurück zum grat, der nach oben zwar flacher, aber unglaublich gschüdrig wird. nun weiter über alle folgenden steilen grataufschwünge direkt hoch, bis man etwa 20m vor dem gipfel den südostgrat erreicht. (8½h)
material: 40m-seil, schlingen, cams C3 #1 und #2 sowie C4 #0,3 bis #2, steigeisen und pickel
lässt sich gut in bergschuhen klettern
abstieg:
entlang der normalroute in den hugisattel und via gletscher und frühstücksplatz zur finsteraarhornhütte (3047m). von hier auf einem der sehr weiten wege zurück in die zivilisation: entweder über den abenteurlichen fieschergletscher ins fieschertal (vom hüttenwart nicht empfohlen), oder via fiescher-, galmi-, studer- und oberaargletscher zurück zum grimsel oder via grünhornlücke, grüneggfirn, aletschgletscher und märjelensee in die fiescheralp und per luftseilbahn nach fiesch.
angetroffene verhältnisse am 8.august 2026:
perfekte verhältnisse (ausser natürlich der felsqualität. insgesamt erachten wir die route aufgrund der steilheit und der brüchigen felsen auch für erfahrene bruchkletterer als zu gefährlich und daher nicht lohnend)
keine weiteren seilschaften in dieser route

finsteraarhorn E-sporn: die steile ostrippe im profil, links schreck- und lauteraarhorn (© SRF meteo)

finsteraarhorn E-sporn: das tief eingeschnittene einstiegscouloir vom oberen studerjoch aus gesehen

finsteraarhorn E-sporn: unser weg zum turm rechts des couloirs

finsteraarhorn E-sporn: rechtzeitig bei sonnenaufgang am einstieg

finsteraarhorn E-sporn: zu beginn kurz diesen riss hoch, um gleich nach rechts zuwechseln

finsteraarhorn E-sporn: auf dem parallelen sporn, kurz vor dem turm

finsteraarhorn E-sporn: diese geknöpfte abseilschlinge ist nebst zwei schlaghaken das einzige fixe material auf der ganzen route

finsteraarhorn E-sporn: mittelmässige bis schlechte felsqualität

finsteraarhorn E-sporn: die schöne verschneidung nach der linken umgehung

finsteraarhorn E-sporn: gegen ende der parallelrippe wird die rampe ersichtlich

finsteraarhorn E-sporn: aussicht vom gipfel zu gross grünhorn, jungfrau, mönch, fiescherhörnern und der eiger südostwand
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