grosses grünhorn
nordgrat
berglihütte - ewigschneefeld - kleines grünhorn - grosses grünhorn - konkordiahütte
05.07.26
diese einsame tour im berner oberland geistert schon seit langem in meinem kopf herum. bis anhin hielt mich die grosse abgeschiedenheit von einer begehung ab. doch der weite zustieg lohnt sich bei weitem!
zustieg:
selbstverständlich könnte man diese tour auch (von der im hochsommer meist überfüllten) mönchsjochhütte angehen, doch wir bevorzugten die einsamkeit der wunderbar gelegenen berglihütte.
anderntags heisst es, vorerst wieder zum unners mönchsjoch aufzusteigen. die ursprüngliche idee, gleich den ganzen grat via walcher- und den beiden fiescherhörnern zu überschreiten, liessen wir dann vernünftigerweise aus zeitgründen fallen - ein einziger tag hätte uns dazu nie gereicht. also hiess es, auf dem ewigschneefeld bis ungefähr zur 3300er-höhenkurve abzusteigen. hier querten wir in einfachem fels die südwestrippe des hinteren fiescherhorns, stiegen auf dem spaltenreichen gletscher südwestlich an und erstiegen die vom kleinen grünhorn kommende rippe oberhalb pt.3517 mithilfe eines kurzen, aber steilen schnee-/eiscouloirs. so gelangten wir auf den diesmal spaltenarmem gletscher und anschliessend von süden her an den südwestgrat des kleinen grünhorns. über diesen in einfacher kletterei auf den gipfel. (WS, 4¼h)
route:
nun beginnt die überschreitung zum grossen grünhorn - vorerst mit dem abstieg über den SSE-grat. zunächst herrscht einfache kletterei vor, bald aber wird der grat ausgesetzt - mit nicht immer zuverlässigem gestein. daher wechselten wir bald mal auf klettern am laufenden seil. zwischendurch gibt es immer wieder schöne kletterstellen in rotem gneis. so erreicht man die lücke zwischen dem kleinen und grossen grünhorn. der beginn des nun folgenden nordgrates ist zunächst relativ flach und auch einfach. ein erster brüchiger turm wird eher rechtshaltend erklettert. so gelangt man zu den schwierigen passagen.
er nun folgende steile aufschwung wird gemäss SAC-führer links in einem brüchigen rampensystem umgangen. wir bevorzugten das direkte erklettern der leicht abdrängenden wand, um dann festzustellen, dass nur ganz feine leisten den ausstieg aus dem überhang ermöglichen. so geklettert stellt dies gleich die schlüsselstelle der ganzen tour dar (~V). bald ist man wieder an der gratkante und erreicht nach einer flachen passage einen guten standplatz in einer lücke. eine offensichtliche rampe führt nun in gutem fels nach rechts, oben an der kante geht es wieder zurück nach links. nach dem nächsten stand quert man die brüchige rinne zur rechts liegenden seitenrippe und erklettert diese, bis man wieder am grat ankommt. nach drei (?) weiteren längen legt sich das gelände zurück und die kletterei wird wieder einfacher. so erreicht man den gipfel dieses beliebten skitourenberges. (3½h)
bewertung: E5, S, gemäss SAC-führer III (möglicherweise auch IV, eine umgehbare stelle wie oben erwähnt V), 50°
material: 30m-seil, schlingen, cams C3 #1 und C4 #0,4 bis #1, steigeisen und pickel (da kein einziger schlag- oder bohrhaken anzutreffen ist, erübrigt sich das mitführen von expressen)
lässt sich gut in bergschuhen klettern
abstieg:
zunächst steigt man über den unschwierigen südwestgrat des grossen grünhorns in die lücke ab, überklettert das grünegghorn und erreicht dann via grüneggfirn die leitern zur konkordiahütte. der offene und überhängende schrund beim durchschlupf im grüneggfirn kann auf der rechten seite (von unten gesehen) mit einer kurzen kletterei umgangen werden.
angetroffene verhältnisse am 5.juli 2026:
perfekte verhältnisse. erstaunlicherweise hatten die gletscher hier im berner oberland oberhalb von ~3100m noch eine akzeptable firnauflage, trotz der unglaublich frühen ausaperung in diesem sommer. auch war der firn am morgen dank einer kalten nacht zum ersten mal in diesem frühsommer tragend.
der grat selber war mehrheitlich trocken und schneefrei, allerdings machte uns der starke und kalte nordwestwind zu schaffen - wir schlotterten während der kompletten kletterei am ganzen körper.
keine weiteren seilschaften in dieser route

grosses grünhorn nordgrat: walcher-, grosses und hinteres fiescherhorn, kleines und grosses grün- und grünegghorn

grosses grünhorn nordgrat: die tolle berglihütte oberhalb des eismeers (© daBr)

grosses grünhorn nordgrat: wunderbare aussicht von der berglihütte: scheideggwetterhorn links und schreckhorn mitte rechts

grosses grünhorn nordgrat: morgenstimmung im unners mönchsjoch

grosses grünhorn nordgrat: rot: der routenvorschlag aus dem SAC-tourenportal, gelb unser zustieg (© marco bomio SAC)

grosses grünhorn nordgrat: der südwestgrat des kleinen grünhorns rückt näher

grosses grünhorn nordgrat: zum ersten mal von nahe sichtbar: der verbindungsgrat und der nordgrat

grosses grünhorn nordgrat: blick vom kleinen grünhorn: eiger südostwand, die beiden fiescherhörner sowie pt.3981

grosses grünhorn nordgrat: blick vom kleinen grünhorn zum verbindungs- und zum nordgrat

grosses grünhorn nordgrat: einfache, aber vergnügliche kletterei am verbindungsgrat

grosses grünhorn nordgrat: der erste brüchige turm wird rechtshaltend erklettert (rot), der zweite gemäss SAC linkshaltend (blau gepunktet), gelb unsere variante

grosses grünhorn nordgrat: auf dem gipfel zum ersten mal knapp im windschatten

grosses grünhorn nordgrat: der konkordiaplatz sieht anfangs juli aus wie ende august!
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