überschreitung rhonestock

südlichster ostpfeiler vorderer rhonestock
traversierung vorderer - hinterer rhonestock

gämschistöckli - südgipfel vorderer rhonestock - norddgipfel vorderer rhonestock - hinterer rhonestock - dammastock

30.08.26

 

mehrere rippen und pfeiler gliedern die imposante dammakette, wobei die ostrippe des schneestockes sicherlich die markanteste und zugleich auch schönste davon ist. die einzig häufig begangene route ist die wenig ausgeprägte ostrippe des dammastockes, während die drei rippen der drei rhonestock-gipfel kaum je besuch erhalten. alle rippen (ausser der dammastock E-kante) wurden vom genialen kletterer fredy amstad erstbegangen - in wechselnden seilschaften (der ostpfeiler des südgipfels sowie der südliche ostpfeiler des nordgipfels mit hans flachsmann, der nördliche ostpfeiler des nordgipfels mit seinem bruder otto amstad, der ostgrat des schneestockes mit guido masetto).
der ostpfeiler des südgipfels vom vorderen rhonestock scheint der lohnenste der rhonestock-rippen zu sein. zudem soll die anschliessende überschreitung zum nordgipfel aus bestem furka-ganit bestehen.


zustieg:

der gängige zustieg zu diesem pfeiler verläuft über die route der dammastock ostrippe. circa bei der 3100er-höhenkurve verlässt man den felsrücken und quert den dammagletscher mehr oder weniger ohne höhenverlust.
aufgrund des beinahe vollständig ausgeaperten gletschers wählten wir den zustieg in direkter linie vom gämschistöckli (2379m) her. um am morgen nicht zuerst von der dammahütte absteigen zu müssen, biwakierten wir auf der schwemmebene hinter der langgezogenen moräne südwestlich von pt.2139.
gämschistöckli: den aufstieg zum gämschistöckli sollte man vorteilhafterweise bereits am vorabend erkunden: rote punkte und zwei fixseile von strahlern führen durch die felsstufen zum gipfel (siehe foto) (T4). anschliessend immer westwärts über das gletschervorfeld und über den gletscher zum einstieg beim pfeiler, wobei wir die grosse spaltenzone nördlich umgingen und daher leicht absteigend zum markanten pfeiler gelangten. (WS, 3¼h)


route:

südgipfel vorderer rhonestock: nun mehr oder weniger immer entlang der pfeilerkante, wobei der erste teil aus einfacher blockgrat-kletterei in hie und da brüchigem felsen besteht. falls man an der gratkante bleibt, wird der fels nach oben immer besser. beim markanten steilaufschwung hingegen wechselten wir ungefähr 30m nach rechts und gelangten in zwei schlecht absicherbaren seillängen wieder in die nähe der gratkante (uns war nicht ganz klar, wo die original-linie durchführt). möglichst schnell wieder zurück an den grat und diesem entlang richtung südgipfel des vorderen rhonestockes, wobei kurz vor dem gipfel noch eine knackige steile verschneidung zu überwinden ist (1 schlaghaken und 1 fixkeil). (4h)
nun folgt die überschreitung zum nordgipfel. dazu seilt man vom südgipfel einmal 20m ab und klettert über brüchige felsen zur scharte vor dem ersten turm.
turm 1: nun wechselt die felsqualität schlagartig, man darf sich an schönem furkagranit erfreuen. die je nach zählart vier oder fünf türme sollten alle überklettert werden, mit umgehungen landet man unweigerlich in den brüchigen flanken. der erste turm wird knapp unterhalb des gipfels exponiert auf der linken seite umklettert, um so die spitze von links her zu erreichen.
turm 2: der zweite turm wird ein wenig links angegangen, wo gute tritte und griffe auf den gipfel führen. von diesem gipfel wird in einfacher, aber plattiger kletterei abgestiegen.
turm 3: auch der dritte turm wird links erklettert, anschliessend vom gipfel 15m überhängend abgeseilt.
turm 4: der vierte turm wird wieder auf der linken seite erstiegen. er wies bei unserer begehung noch nicht mal eine abseilschlinge auf, daher vermuten wir, dass dieser von anderen seilschaften umgangen wird.
turm 5: auch vom nächsten kleinen turm wird wieder abgeseilt, die arg malträtierte abseilschlinge haben wir verstärkt.
"flügel": der flügelartige kleine turm wird im westen umgangen, um gleich darauf auf einem band zum vorgipfel aufzusteigen.
nordgipfel vorderer rhonestock: vom vorgipfel wenig westlich abklettern und gleich anschliessend zum nordgipfel des vorderen rhonestockes aufsteigen, den man gleich beim gipfelsteinmann erreicht. nun über den riesigen steintisch bis zu einem schlaghakenstand abklettern. von diesem seilt man auf ein band ab, entweder 30m in falllinie nach westen oder 20m schräg nordwestlich (auf das gleiche band), wobei bei der zweiten variante beim seilabziehen ein seilverklemmer einkalkuliert werden muss. vom nördlichen ende dieses bandes ein weiteres mal in die sandige schuttrinne, die vom oberen winterjoch herkommt, abseilen.
hinterer rhonestock: gleich auf der gegenüberliegenden seite in unangenehm brüchigen felsen richtung hinterem rhonestock aufsteigen. entlang von verschneidungen in wenigen seillängen auf diesen letzten gipfel. (total überschreitung vom südgipfel vorderer rhonestock bis zum hauptgipfel des hinteren rhonestock 3¼h)


bewertung: E4, S, IV (unserer einschätzung nach sind die schlüsselstellen eher mit V zu bewerten)

material: 50m-seil, schlingen, 2 express, cams C3 #1 und #2 sowie C4 #0,3 bis #2, steigeisen und pickel
wir hatten nur die bergschuhe mitgenommen, doch in den schlüsselstellen wären wir froh um kletterfinken gewesen


abstieg:

am gemütlichsten wäre der abstieg über den rhonegletscher zum belvédère.
doch da wir das biwakmaterial unterhalb des gämschistöcklis deponiert hatten, wählten wir den abstieg über die ostrippe des dammastockes. dazu steigt man vom hinteren rhonestock zunächst zum rhonejoch (3511m), dann zum dammapass (3503m) ab und geht anschliessend auf den dammastock (3630m). die kletterroute über die ostrippe wurde auch zum abseilen eingerichtet, wobei die stände nicht immer leicht zu entdecken sind. wichtig ist auch, nach ein paar wenigen längen den verblassten blauen pfeil zu entdecken, der auf die andere seite der gratkante weist. so erreicht man nach mehrmaligem abseilen das markante firnfeld, das den heissen sommer 2026 erstaunlicherweise in besten konditionen überlebt hat. über dieses hinab zum felsrücken und über diesen (wenige steinmänner) weiter auf den dammagletscher. man erreicht das schuttgelände im sattel westlich von pt.2947, ab wo die weitere abstiegsroute perfekt mit blauen markierungen gekennzeichnet ist.


angetroffene verhältnisse am 30.august 2026:
perfekte verhältnisse, der gletscher im aufstieg mehrheitlich blank
beim abstieg begann es entgegen der meteo-prognosen pünkltlich beim verlassen des gletschers anhaltend zu regnen. bis zur dammahütte waren wir ziemlich durchnässt. an ein freiluftbiwak war nicht mehr zu denken - vor allem auch, da der regen die halbe nacht lang anhielt. wir hatten das glück, dass das äusserst gastfreundliche team um den hüttenwart andrin uns trotz überfüllter hütte noch zwei schlafplätze anbot und uns zudem nach bereits erfolgtem nachtessen einen feinen teller pasta servierte! nochmals ganz herzlichen dank an andrin und stefan!

keine weiteren seilschaften an der ganzen dammakette



rhonestock ostpfeiler, dammagletscher
rhonestock ostpfeiler: die schöne dammakette mit dem aperen dammagletscher vom damm aus gesehen



rhonestock ostpfeiler, dammagletscher
rhonestock ostpfeiler: links im bild der markante ostpfeiler vom südgipfels des vorderen rhonestockes



rhonestock ostpfeiler, militärschrott, munitionsresten
rhonestock ostpfeiler: von der dammareuss bis hinauf zum gletscher oberhalb des gämschistöcklis tonnenweise militärschrott



gämschistöckli, rhonestock ostpfeiler
rhonestock ostpfeiler: hier befindet sich der einstieg zum gämschistöckli



rhonestock ostpfeiler, dammagletscher
rhonestock ostpfeiler: frühmorgens auf dem aperen dammagletscher



rhonestock ostpfeiler
rhonestock ostpfeiler: die beiden weniger ausgeprägten ostrippen vom nordgipfel des vorderen rhonestockes im morgenlicht



rhonestock überschreitung
rhonestock ostpfeiler: der plattige abstieg von turm 2



rhonestock überschreitung
rhonestock ostpfeiler: turm 4 im vordergrund, in der mitte der flügelartige turm, im hintergrund links der hintere rhonestock



rhonestock ostpfeiler, dammagletscher, dammakette
rhonestock ostpfeiler: blick zurück, der ostpfeiler gleich links der wolkenfetzen


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